An einem grauen, verregneten Novembertag in Berlin machte ich mich auf den Weg zum Technikmuseum, um einzutauchen in eine vielfältige Welt voller Farben und Formen. Mein Ziel war die Fotoausstellung „Gesichter Indiens – Menschen vor der Kamera“ des Amateurfotografen Helmut Schilke.
Schilke entdeckte in den achtziger Jahren seine Leidenschaft zum Reisen im Vielvölkerstaat Indien. Der Subkontinent ist mit seinen 28 Bundesstaaten und 1,1 Milliarden Einwohnern einer der bevölkerungsreichsten, demokratischen Staaten der Erde. Kaum ein anderes Land bietet diese große Vielfalt an Völkern, Sprachen und regionalen Eigenarten.
Mit seinen 80 farbenfrohen Portraits schafft Schilke einen Eindruck des hinduistisch geprägten Alltags.
Die Menschen vor Helmut Schilkes Kamera stammen aus den verschiedensten Altersgruppen und Bevölkerungsschichten, zu sehen in ihrem Alltagsgewand sowie in ihrer Festtagskleidung. Schüler einer Koranschule, Frauen, vertieft in ihren alltäglichen, heiligen Zeremonien, Männer und Frauen beim heiligen Bad im Ganges, sowie hinduistische Bettelwandermönche, die so genannten Sadhus, die ihr bürgerliches, konventionelles Leben auf dem Weg zu spiritueller Vollendung aufgegeben haben .
Doch die meisten Menschen haben eines gemeinsam: die Ausstrahlung absoluter Ruhe, Zufriedenheit und heiterer Gelassenheit, das Ideal buddhistischer Lebenskunst.
Besonderen Gefallen verschaffte mir das Bild eines schlafenden Rikschahfahrers. Reste eines pinken Farbpulvers auf Haut, Haaren und Hemd, erholt er sich von den Strapazen des alljährlichen Holi-Frühlingsfestes. Mit einem Lächeln im Gesicht muss er eingeschlafen sein und vermittelt dem Betrachter eine unwahrscheinliche Zufriedenheit und Genügsamkeit. Beiläufig stellt sich die Frage, was es bedarf, um glücklich zu sein?
Die Ausstellung ist eine farbenprächtige und ausdrucksstarke Bilderreise durch einen faszinierenden Subkontinent, deren Fotos ihre eigene Geschichte erzählen. Bilder, die von spirituellen Zeremonien berichten und den Betrachter in eine fremde Welt versinken lassen.
Eine Reise, die meinem grauen Tag einen Farbtupfer zugefügt hat, meine Sicht auf die Welt ein Stück erweitert hat und vielleicht eine Inspiration beim nächsten Entwurf liefert.
Text: Kristin Jacob


