Justina Horn und Mona Al-Shaalan haben gerade ein Auslandssemester am AMFI (Amsterdam Fashion Institute) in Amsterdam verbracht. Im folgenden Interview könnt ihr erfahren, wie es ihnen dort ergangen ist.
Könnt Ihr uns schildern, wie die Bewerbung fürs Auslandssemester eigentlich abläuft?
MONA: Man geht am besten in das Büro von Frau Röhr in der Treskowallee 8, da sie für die Auslandssemester zuständig ist. Von ihr bekommt man die nötigen Formulare, die man ausfüllen muss. Den Rest organisiert die Uni. Ach und man sollte vorher den English Preparation Kurs für den IELTS Test machen… Man braucht nämlich noch einen Nachweis, dass man auch auf Englisch studieren darf.
JUSTINA: Ja. Am besten, man unterzieht sich erstmal einer ausgiebigen Beratung von Frau Röhr. Dann kommt man mit einem Ordner voll wichtiger Informationen und Werbung nach Hause und kann sich schlau machen. Generell ist es aber doch recht einfach, wenn man sich für eine der Partnerunis entscheidet. Wichtig ist nur, früh genug zu planen, bereits die benötigten Sprachkurse zu machen und eine Mappe parat zu haben. Bei den Selbstorganisierern kenn ich mich nicht aus, ich weiß nur, dass einem da keiner helfen kann.
Wie gefällt euch die Uni in Amsterdam und welche Unterschiede konntet ihr zwischen der AMFI und der HTW feststellen?
MONA: An der AMFI ist es viel härter und anstrengender. Man hat kaum Freizeit und schläft wenig. Außerdem bekommt man auch viel schlechtere Noten als in Berlin. Aber trotzdem habe ich hier ziemlich viel gelernt – vor allem was das selbstständige Arbeiten angeht. Ich brauche keine Lehrer mehr, die mich unterstützen und mir was erklären… Ich mach einfach… Dafür ist es aber auch chaotischer hier. Und das nervt. Von Organisation verstehen die Niederländer nichts!
JUSTINA: Dadurch, dass die Niederländer schon mit 17 ihr ,,Abi“ haben, fangen sie auch früher an zu studieren. Ich habe die Theorie aufgestellt, dass es daher kommt, dass die Unis hier sehr viel verschulter sind.
Wie kompetent sind die Lehrkräfte?
MONA: Einige sind total fehl am Platz – aber das ist ja meist überall so. Es gibt aber auch ein paar tolle Lehrer, die auch vorher tolle Jobs gemacht haben, sehr interessante Leute. Aber vor allem sind die Lehrkräfte viel jünger als an der HTW. Das finde ich besonders gut!
JUSTINA: Ich hatte manchmal das Gefühl, dass die Lehrkräfte auf niederländisch kompetenter als auf englisch sind, aber generell gibt es überall solche und solche. Wie schaut dein Stundenplan aus, welche Fächer hast du? Was müsst ihr in den verschiedenen Fächern machen?
Wie hoch ist der praktische Anteil beim Studieren?
MONA: Der praktische Anteil ist sehr hoch, eigentlich kann man das sehr mit der HTW vergleichen. Wir haben auch Schnitt, Verarbeitungstechnik, Strick, Design, Trend Research, Illustrator… Das ganze Programm, das man auch an der HTW mitmacht.
JUSTINA: Man hat hier mehr Wochenstunden, und hat bis zum Schluss Verarbeitungstechnik, Schnittkonstruktion und Design. Ansonsten jedes Semester verschiedene Fächer aus dem Designbereich sowie Vorlesungen. Ein Semester ist hier in zwei Perioden aufgeteilt, das heißt man hat auch 2 mal Abgaben. Jede Periode hat ein Thema. Ich hatte Jeans und ,,My Identity, my language“. Der praktische Anteil ist definitiv höher als an der HTW. Wie findest du die Prüfungen?
Und wie schaut’s mit den Noten aus?
MONA: Das ist das schlimmste an der AMFI – die Noten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mir meinen Schnitt dadurch total versaut habe. Die haben hier ein Punktesystem von 1-10 (10 ist das beste und mit 5 Punkten ist man schon durchgefallen!). 9 und 10 punkte vergeben die Lehrer an der AMFI aus Prinzip nicht, da das Fach zu subjektiv ist, um so gute Noten zu bekommen. Also kann man auf 6 bis 8 Punkte hoffen (8 punkte sind in deutschland eine 3+). Außerdem fallen hier viele durch die Prüfungen, aber man hat dann immer noch einen zweiten Versuch, mit dem man seine Note noch „retten“ kann.
JUSTINA: In den Niederlanden haben sie es nicht so mit der Vergabe von guten Noten. Das Punktesystem geht von 10-0. 10 ist das allerallerbeste, gibt’s aber in der Praxis nicht. Die 9 gibt’s übrigens eigentlich auch nicht. Das höchste der Gefühle ist eine 8, die meisten hoffen aber auf eine 5,5 – das ist bestanden. An der HTW hatte ich meistens Noten zwischen 1,0 und 2,0 – hier zwischen 6 und 7,5 – das läge zwischen 3,7 und 2,3. In welcher Sprache wurde unterrichtet?
Hattet ihr Probleme, euch zu verständigen?
MONA: In Englisch, das war kein Problem.
JUSTINA: Auf Englisch – mehr oder weniger. Mit Händen und Füßen ging es ganz gut. Manchmal ist es schon schwer – äh, was heißt denn, die Bügelanlage müsste entschlackt werden…? Übrigens kennt hier keiner Frau Zieris’ Begriff für Paspeltasche – „piped pocket“ oder wie das war. Sonst hat mir English for Fashion Design durchaus geholfen.
Wie ist die Uni ausgestattet?
MONA: Eigentlich sehr gut, bis auf die Computer, da sie nur mit Windows und nicht mit dem Mac arbeiten…
JUSTINA: Es gibt auf jeden Fall zu wenig Maschinen, man sollte eine Nähmaschine zu Hause haben. Ansonsten gibt es aber viele Spezialmaschinen. Computer gibt es auch nicht genug. Das schlimmste war jedoch: es gibt keine Mensa. Daher musste ich ganz oft hungern, weil ich meine Pausenbrote vergessen hatte.
Wie findet ihr eure Mitstudenten? Herrscht eine angenehme Atmosphäre?
MONA: Ja und wie, ich habe hier sehr viele Freunde gefunden. Vor allem aber sehr viele Austauschstudenten. Ich fühle mich sehr wohl hier.
JUSTINA: Das ist wirklich eine der besten Sachen. Man lernt Leute aus der ganzen Welt kennen. In unserem Jahr gab es einen immensen Ansturm von Australiern.
Erzählt uns doch etwas darüber, wie Ihr in Amsterdam lebt.. war es einfach, eine Wohnung zu finden?
MONA: In Amsterdam herrscht grundsätzlich Platzmangel. Es ist verdammt schwierig, was zu finden. Die meisten leben in unattraktiven Studentenwohnheimen. Ich hatte sehr Glück, da mir eine Freundin aus Berlin eine Wohnung in Amsterdam vermittelt hat. Ihre ehemalige Kindergartenfreundin studiert auch an der AMFI und bei ihr wurde zufälligerweise ein Zimmer frei. Dort bin ich dann eingezogen. Wir zahlen viel Miete, aber immer noch weniger als so manch anderer in Amsterdam. Und zur Uni brauche ich nur 5 Minuten!
JUSTINA: In Amsterdam herrscht Platzmangel, jeder versucht irgendwo Unterschlupf zu finden. Deswegen sollte man lieber nachfragen, ob das angebotene Zimmer auch ein Fenster hat. Besenkammern werden gerne auch als Studentenzimmer vermietet. Ich musste mir mein Zimmer zwar nicht mit Putzutensilien teilen, dafür mit Mäusen. Das ist hier aber total normal, daher sollte man kein Mitleid oder Bewunderung von niederländischer Seite erwarten. Wenn man sich daran erstmal gewöhnt hat, kann man aber auf jeden Fall Gefallen an den niederländischen Häusern finden. Alles ist etwas schief und zusammengestückelt, aber irgendwie urig und nett. Allerdings sind die Mieten bombastisch, ich zahle für meine 8qm 400 Euro und ich wurde nicht abgezockt. Viele gehen auch ins Studentenheim – ist nicht billiger, dafür sicher auch ganz lustig, da viele Studenten der ganzen Welt dort auf einem Haufen versammelt sind.
Wie beurteilt ihr Amsterdam zum Leben, Weggehen..?
MONA: Amsterdam ist teuer. Gutes Essen, gutes Design, guter Kaffee… alles eben. Zum Ausgehen ist Amsterdam schlecht. Da sind wir schon etwas verwöhnt mit Berlin.. Es ist sauteuer und die Läden schließen meistens schon um 3 Uhr! Dafür kann man hier überall schön trinken gehen. Es gibt nette Pubs und Cafés.
JUSTINA: Amsterdam ist nett, es gibt viele Cafés, Museen, Trödelmärkte – leider hat die Uni uns wenig Zeit dafür gelassen. Zum Weggehen hm: obwohl die Niederlande so nah an Deutschland ist, ist es anders. Die Leute hier sind schicker, aufgestylter, unter Männern ist eine lange, nach hinten gegeelte Lockenpracht besonders angesagt – das merkt man auch beim Weggehen.
Was ist das Verrückteste, was euch dort passiert ist?
MONA: Die Strassen von Amsterdam sind super chaotisch, dann kann das schon mal passieren, dass man von Autos angefahren wird… so einmal im Monat. Meistens passiert aber nichts schlimmes. Die Autofahrer sind hier auch sehr vorsichtig, wegen der Radfahrer. Aber anfangs ist mir das schon oft passiert….
JUSTINA: Verrückt hört sich verdammt fetzig an. Wir hatten viele lustige Momente. Ich finde es verrückt, dass ich mich nach 5 Monaten immer noch verfahre und, obwohl ich immer vergesse, meine Kontaktlinsen zu tragen, noch keinen Fahrradunfall hatte.
Würdest ihr, wenn ihr die Zeit zurückdrehen könntet, nochmal nach Amsterdam gehen? Oder lieber doch kein Auslandssemester? Wär eine andere Stadt doch besser gewesen?
MONA: Hm nein, ich würd in ein wärmeres Land gehen… und noch eine weitere Sprache lernen. Vielleicht nach Spanien oder Frankreich…
JUSTINA: Das Problem ist ja immer, dass man das nicht weiß, da ich ja in keiner andern Stadt war und in der Zeit auch nicht in Berlin. Ich denke jedoch, dass alles einen irgendwie voran bringt und zu irgendetwas weiterführt.
Text: N.Y.





